BODYPAINTING MEETS PHOTOGRAPHY MIT JAMARI LIOR

Dienstag, 26. November 2019

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Jamari Lior ist Fotografin und Medienethnologin. Sie lehrt Fotografie an internationalen Universitäten und Akademien wie dem Indian Institute of Photography, der Universität Trier, der Royal Photographic Society, der Fotoakademie-Köln und weiteren. Jamari ist bekannt für ihre extravaganten Inszenierungen mit viel Liebe zum Detail, die meist auf geschichtlichen, mythologischen, mystischen oder ethnischen Themen, Herleitungen und Hintergründen basieren.

Ende Oktober fand der erste Bodypainting Workshop mit Jamari im Rahmen der Nikon School statt. Wie es war, erzählt sie uns in diesem Artikel.

D850 | 1/80s | f/4 | ISO 400 | Foto: Jamari Lior

Bodypainting meets Photography

"Gleich fertig", sagt Diana von Sum Bodyart und greift nach einem Pinsel, den sie in ein rosafarbenes Farbtöpfchen tunkt. Noch ein paar "Finishing touches" und unser Model hat sich für unser erstes Bodypainting bemalt - noch ein paar Momente, in denen ich das erste Set vorbereiten kann.

Bodypainting ist eine wundervolle, aber allzu vergängliche Kunst. Ihre Leinwand ist der menschliche Körper, der mit Pinsel und Schwamm oder Airbrush gestaltet wird. Auf diese Weise gestaltete Körper findet man vor allem bei Events, zu Werbezwecken und bei Kunstinstallationen, aber auch auf grossen Bodypainting-Wettbewerben - und bei uns im Studio beim Bodypainting-Workshop.

Vergänglich, wie die Kunst des Bodypaintings ist, geht sie eine perfekte Synthese mit der Fotografie ein. Da ein einzelnes Bodypainting schon viel Zeit in Anspruch nimmt, bedeutet dies meistens, dass ein Foto-Shooting einem einzigen Painting entspricht. Unserer Plan ist jedoch anders: Dianas erstes Bodypainting ist eine Grundierung, Körper und Gesicht sind weiss angemalt und die Körperseiten mit rosaroter Farbe konturiert. Darauf kann man später aufbauen.

Wir betten Diana auf ein Bett aus unzähligen Blumen, in dem sie fast versinkt. Ein weiches Dauerlicht, das grosse Blendenöffnungen ermöglicht, passt optimal zur Szenerie. Nachdem die ersten Fotos im Kasten sind, darf Diana drauflegen und verpasst sich selbst ein Totenkopf-Make-Up, schön und zugleich ein wenig schaurig. Die rosafarbene Grundierung ist auf den nun ausgelegten Hintergrund abgestimmt. Ein paar einzelne Blumen dekorieren Diana und kleine Tülltücher sorgen für einen dynamischen Effekt. Rasch sind auch hier tolle Fotos im Kasten und ich wundere mich immer wieder, wie unterschiedliche Bilder meine Workshop-Teilnehmer von ein und demselben Motiv erschaffen.

Während eines kleinen Theorieteils bemalt Diana nun unser zweites Model, Rachana. Die Teilnehmer dürfen sich auch malerisch ausprobieren, aber der Respekt vor der menschlichen Leinwand ist doch noch ein wenig zu hoch. Diesmal geht es um eine andere Variante des Bodypaintings: Die Camouflage. Rachana wird so bemalt, dass sie Teil eines Gemäldes wird, dass man sie auf den ersten, flüchtigen Blick gar nicht erkennt. Meistens fotografiert man Camouflage-Bodypaintings ganz frontal, aber die seitliche Ansicht hat auch einen gewissen Gag.

Während wir uns weiter der Theorie widmen und ich ein wenig über Bodypainting-Wettbewerbe, -Maltechniken, -Modelle und die Bearbeitung der Bilder erläutere, hat sich Diana ihren Totenkopf abgewaschen und erschafft sich neu als Kitsune. Die Kitsune-Figur ist in asiatischen Mythen allgegenwärtig und passt wunderbar in mein Orient-Set. Beim Fotografieren geht es nicht nur darum, das Bodypainting optimal abzulichten, sondern auch Themen wie Bokeh und Posing spielen eine Rolle.

Skizze von Sum Bodyart

Totenkopf-Make-Up | D850 | 1/125s | f2.5 | ISO 500 | Foto: Jamari Lior

Kitsune | D850 | 1/80s | f/4 | ISO 800 | Foto: Jamari Lior

Ein Happy-End gibt es bei Bodypaintings leider nicht - irgendwann muss auch das schönste Painting vom Körper. Bei uns ist es nun so weit: Wir bearbeiten noch gemeinsam ein Bild, während Diana sich "normalisiert". Das eigentliche Ende, der krönende Abschluss folgt aber erst in den Tagen darauf: Das Bodypainting lebt in unseren bearbeiteten Fotos weiter. "Schönheit kann man nur würdigen, wenn sie vergänglich ist", schiesst es mir durch den Kopf, als ich Diana mit ihrem Totenkopf-Make-Up bearbeite. Jedes Foto gilt als ein Memento Mori - dieses umso mehr, aber auch als ein besonders schönes...

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