Der Profi-Fotograf Marcel Lämmerhirt ist ein grosser Fan rasanter Sportarten und hat sich mit teilweise waghalsigen Action-Aufnahmen einen Namen in der Extremsport-Szene gemacht. Uns erzählt er, wie er seine Nikon Z 6 im Vergleich zur Nikon D5 einschätzt und warum das kompakte Z-Modell manchmal sogar die bessere Wahl ist.

Der erste Eindruck

Als Action- und Sportfotograf liebe ich es, mit meiner Nikon D5 zu arbeiten. Speziell in extremen Situationen hat mich die Profi-DSLR noch nie im Stich gelassen. Als Nikon die spiegellosen Vollformat-Kameras Z 7 und Z 6 vorstellte, habe ich mich darüber gefreut, dass es die hohe Bildqualität meiner Profi-DSLR künftig auch in einem kompakteren und leichteren Gehäuse geben wird. Anfangs war ich mir nicht sicher, ob der elektronische Sucher der spiegellosen Modelle für meine Aufnahmebereiche geeignet sein würde. Als ich die Nikon Z 6 dann aber im Rahmen eines Shootings für Nikon zum ersten Mal in den Händen hielt, war ich positiv überrascht und sehr erfreut über die hochwertige Verarbeitung, die Optik und die Haptik. Die Nikon Z 6 ist eine sehr schöne Kamera. Einige Knöpfe und Einstellungen im Menü waren zwar etwas anders als ich es gewohnt war, dennoch war alles schnell zu finden. Auch sonst kam mir die Kamera sehr vertraut vor. An den elektronischen Sucher musste ich mich anfangs tatsächlich erst gewöhnen. Mittlerweile empfinde ich ihn als sehr hilfreich. Vor allem bei dunklem Umgebungslicht kann ich die Aufnahmesituationen mit dem hellen, elektronischen Sucherbild viel einfacher einschätzen und kontrollieren.

D5 | 1/10s | f/5.6 | ISO 500

Die Vorteile der Nikon Z 6

Auch wenn ich die Nikon Z 6 noch nicht allzu lange einsetze und daher noch nicht so ins Detail gehen kann, gibt es einige Punkte, die mir sehr gut gefallen. Manchmal ist es zum Beispiel wichtig, sehr platzsparend und nicht zu schwer zu packen. In diesen Fällen ist die Z 6 mit ihrer kleinen Gehäusegrösse und dem damit geringen Gewicht sehr praktisch. Richtig gut gefällt mir auch die geräuschlose Auslösefunktion. Zum Beispiel auf Veranstaltungen, auf denen ich mich als Fotograf möglichst leise verhalten möchte. Ich habe dieses Feature schon oft eingesetzt. Anfangs war es noch etwas komisch, wenn ich während des Auslösens so gar nichts mehr gehört habe. Ich habe aber schnell die Vorteile entdeckt, die sich daraus ergeben. So wird mein Gegenüber durch meine Anwesenheit nicht gestört und fühlt sich vielleicht sogar unbeobachtet.

Z 6 | 1/320s | f/3.2 | ISO 6400

Schnelle Speicherkarten sind unerlässlich

In der Action- und Sportfotografie verwende ich ausschliesslich Speicherkarten mit hohen Schreib- und Lesegeschwindigkeiten. Es wäre unverzeihlich, wenn ich auf den Auslöseknopf drücke und eine spannende Aufnahmesituation verpasse, nur weil die Bilder gerade noch vom Buffer, also vom internen Speicher der Kamera, auf die Karte geschrieben werden. Aus diesem Grund gefällt es mir sehr gut, dass Nikon bei den Z-Modellen auf den Einsatz von schnellen Speicherkarten setzt. Dabei sollte auch der Nutzen einer hohen Lesegeschwindigkeit nicht unterschätzt werden. Die Lesegeschwindigkeit ist enorm wichtig, wenn die aufgenommenen Bilder so schnell wie möglich auf den Rechner übertragen, ausgewählt, bearbeitet und dem Kunden zur Verfügung gestellt werden sollen. Ich hatte einen solchen Fall bei der Handball Champions League. Mein Team bestand aus drei Fotografen. Wir hatten zwei sogenannte „Runner“ im Einsatz, die unsere Karten abgeholt und zu zwei Bildbearbeitern gebracht haben, deren Aufgabe es war, alle Bilder zu sichten, auszuwählen und online zu stellen. Nach dem Spiel waren die besten 40 Bilder meines Teams fertig und lagen bereits beim Kunden.

Z 6 | 1/200s | f/5.6 | ISO 125

Die Nikon Z 6 gehört ab sofort mit zur Foto-Ausrüstung von Marcel Lämmerhirt.

Ist die Z 6 schnell genug für Action-Aufnahmen?

Was das Timing und die Geschwindigkeit betrifft, kann ich nur sagen, dass ich positiv überrascht war, wie schnell die Z 6 den Fokus greift und hält. Das konnte ich dieses Jahr während der EHF Final4 der Handball Champions League in Budapest und Köln ausprobieren. Wer schon mal Handball fotografiert hat, der kennt die Herausforderungen, die sich bei dieser extrem schnellen Sportart ergeben. Zum einen muss ich den Fokuspunkt sehr oft verstellen. Zum anderen kann es zwischendurch passieren, dass auch Objekte, wie zum Beispiel andere Handballspieler, mein Bild kreuzen und den Autofokus damit irritieren. All diese Situationen hat die Z 6 gut gemeistert. Für bestmögliche Ergebnisse stelle ich den Fokusmodus in solchen Fällen auf „AF-C“ und die „AF-Messfeldsteuerung“ auf „Einzelfeld. Als kleiner Tipp empfehle ich, die Schärfenachführung in den „Individualfunktionen“ im Untermenü „a3“ auf „4“ zu setzen. Dadurch reagiert der Fokus etwas verzögert. Anstatt also sofort auf den neu im Bild erscheinenden Handballspieler überzugehen, bleibt der Fokus auf dem ursprünglich anvisierten Spieler hängen.

Z 6 | 1/1.250s | f/7.1 | ISO 80

Objektive aus zwei Systemen

Für meine Aufnahmen arbeite ich sowohl mit F-Objektiven als auch mit einigen neuen Z-Objektiven. Aktuell nutze ich das NIKKOR Z 14–30 mm 1:4 S, das NIKKOR Z 24–70 mm 1:2,8 S und das NIKKOR Z 50 mm 1:1,8 S. Da es für die Z-Modelle noch nicht so viel Auswahl gibt, verwende ich meine DSLR-Objektive mithilfe des FTZ-Adapters auch weiterhin an der Z 6. Das gilt in erster Linie für die sehr lichtstarken Festbrennweiten wie das AF-S NIKKOR 35 mm 1:1,4G und das AF-S NIKKOR 105 mm 1:1,4E ED. Man könnte meinen, dass sich die Bildqualität durch den Adapter verschlechtert. Ich konnte bislang aber nichts dergleichen feststellen.

Fazit

Die Nikon Z 6 ist eine ideale Ergänzung zu meiner D5. Mit dem hellen Display- und Sucherbild und dem beweglichen Touchdisplay habe ich meine Motive stets gut im Blick. Dazu kommen die geräuschlose Auslösung, das geringe Gewicht und die Möglichkeit, JPEG-Bilder via SnapBridge-Funktion per Bluetooth auf mein Smartphone zu laden. Abschliessend bleibt mir noch zu sagen, dass die besonders hohe Schärfe bis zum Bildrand einfach ein Traum ist.

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