CRIMSON & GOLD - LICHTERSPIEL MIT DER NIKON Z 7 UND HELIN BEREKET

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Helin Bereket ist Nikon Family Mitglied und bekannt für ihre ästhetischen Architekturfotografien aus der ganzen Welt, in die sie auf reative Weise sich selbst oder andere Menschen einfügt. Sie ist ein visueller Mensch, der gerne mit Räumen und Farben, Licht und Schatten und vor allem Geometrien spielt. Dabei hat sie ganz natürlich ihren eigenen, klaren Fotografiestil entwickelt, mit dem sie sich und ihre Gefühle zum Ausdruck bringt.

Für die Weihnachtszeit hat sie sich etwas besonderes vorgenommen: das Spielen mit Licht. Im folgenden Artikel nimmt sie uns mit und erklärt uns, wie ihre zwei Licht-Serien entstanden ist.

Warum Selbstporträts?

Meine Motivation für Selbstporträts entstand quasi aus der Not heraus. Bis Anfang 2020 zog ich meine Inspiration zu 99% aus Reisen. Ich war viel unterwegs und an jedem Ort sind viele einzigartige Reisefotos entstanden. In 2020 hat sich das auf einmal geändert. Da ich nicht mehr reisen durfte, mein Sozialleben extrem beschränkt habe und viel zu Hause war, habe ich angefangen, alles um mich herum zu fotografieren. Meine Pflanzen, mein Geschirr und sogar mein Essen habe ich zum ersten Mal mit einem fotografischen Blick betrachtet und alles nacheinander abgelichtet. Und irgendwann war ich selbst dran, fotografiert zu werden. Selbstporträts sind für mich viel mehr als “sich selbst zu zeigen”. Ich habe als Fotografin und Model zu 100% Kontrolle auf das Ergebnis und auf die Gefühle, die ich ausdrücken möchte. Das Outcome ist nie “ein bisschen anders als gedacht”, da alles von mir selbst geplant und umgesetzt wird. Ich persönlich empfinde es ausserdem viel angenehmer, vor meiner eigenen Kamera zu stehen, statt vor der Kamera jemand anderem. Ohne andere Personen zu organisieren, ohne jemandem etwas erklären zu müssen, kann ich spontane Ideen mit Selbstporträts sehr schnell umsetzen. Es ist wie eine besondere Art der Zusammenarbeit mit sich selbst. Es ist für mich eine Ausdrucksweise.

Crimson & Gold

Wenn ihr euch auf meinem Instagram Kanal umschaut, wird schnell klar: Ich fotografiere sehr selten mit künstlichem Licht. Die ganze Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt hat mich dieses Jahr jedoch so inspiriert, dass ich unbedingt etwas ausprobieren wollte. Mit meiner Nikon Z 7 und meinen NIKKOR-Z-Objektiven bin ich ja perfekt ausgerüstet. Ich habe mir also zwei Serien vorgenommen: eine mit Lichterketten bei mir Zuhause und eine mitportablen Lichtquellen in der Stadt. Für die beiden Serien habe ich mir rote Kleidung sowie Lichterketten bestellt.

Bokeh

Bei der ersten Serie geht es um Bokeh. Für diejenigen, die das Wort noch nie gehört haben: Bokeh ist ein japanisches Wort, bedeutet “unscharf”. In der Fotografie nennt man Bokeh “ästhetische Unschärfe im Hinter- oder Vordergrund.”
Es gibt 3 Faktoren, die den Bokeh-Effekt beeinflussen:


1. Die Lichtstärke des Objektivs: Lichtstärke ist die maximale Blendenöffnung. Bei NIKKOR-Objektiven ist die maximale Blendenöffnung direkt im Namen erkennbar. Zum Beispiel ist beim NIKKOR Z 24-70 mm 1:4 S die maximale Blendenöffnung 4. Das NIKKOR Z 24–70 mm 1:2,8 S hat die gleiche Brennweite, ist allerdings mit Blende 2,8 lichtstärker. Je kleiner die Zahl, desto lichtstärker ist das Objektiv. Mit einem lichtstarken Objektiv könnt ihr einen schönen Bokeh-Effekt zaubern.


2. Der Abstand zwischen der Kamera und dem Motiv: Je kleiner der Abstand, desto grösser & unschärfer der Hintergrund. Der Abstand zwischen dem Motiv und dem Hintergrund ist auch ein Faktor, der die Grösse und Unschärfe der Bokeh-Kreise bestimmt: Je grösser der Abstand, desto unschärfer der Hintergrund.


3. Die Brennweite: Längere Brennweiten führen zu einer stärkeren Hintergrundunschärfe.

Das war kurz und knapp die Theorie :-)

Bei meiner ersten Serie entscheide ich mich für das NIKKOR Z 85 mm 1:1,8 S, da es einfach perfekt für Porträts in Low-Light Situationen ist. Mit der Blende 1.8 habe ich die perfekte Voraussetzung für einen schönen Bokeh-Effekt im Bild. Meine Z 7 stelle ich auf ein Stativ und verbinde sie mit Hilfe der Snapbridge App mit meinem Smartphone. Snapbridge ist nämlich super hilfreich, wenn es um Selbstporträts geht. Ihr könnt nicht nur ganz genau sehen, was ihr fotografiert, sondern auch viele Einstellungen wie Verschlusszeit, Blende, ISO und Fokussierung live steuern. Für ein schönes Bokeh auf dem Foto stelle ich die Blende so niedrig wie möglich ein, also 1,8 bei meinem Objektiv. ISO lasse ich bei 100 und stelle die Verschlusszeit zwischen 1/20 und 1/30 ein. Bei dieser Verschlusszeit müsst ihr darauf achten, euch möglichst nicht zu bewegen, damit keine unerwünschte Unschärfe entsteht. Ich stelle noch den Selbstauslöser auf 5 Sekunden ein, damit ich das Smartphone weg legen und mich positionieren kann. Und dann: Spass haben und ausprobieren.

Light Painting

Nachdem ich nun meine Serie Zuhause beendet hatte, wollte ich unbedingt noch etwas anderes ausprobieren: Light Painting.
Light Painting funktioniert mit Langzeitbelichtung. Ich möchte es mit Selbstporträt und Architektur kombinieren, habe mir daher eine rote Jacke besorgt, die zur Jahreszeit passt, und ein paar historische und moderne Orte in Berlin ausgesucht. Langzeitbelichtung heisst, dass ein Bild mehrere Sekunden lang belichtet wird. Über die gesamte Belichtungszeit fällt Licht auf den Sensor und alles wird heller, als das, was das Auge wahrnimmt. Und in dieser Zeit wird alles aufgenommen, was vor der Kamera passiert. Alles, was stabil ist, bleibt scharf im Bild und alles, was sich bewegt, wird in der Bewegung aufgenommen und quasi "verschwommen" dargestellt. Es ist daher extrem wichtig, dass die Kamera nicht bewegt wird. Ihr benötigt also entweder ein Stativ (am sichersten für die Kamera) oder eine stabile, glatte Oberfläche, auf die ihr eure Kamera stellen könnt.

Beim Light Painting braucht ihr eine Lichtquelle. Ich habe Lichterketten verwendet. Andere Ideen wären Wunderkerzen, eine Taschenlampe (die eures Smartphones z.B.). Bei dieser Serie habe ich das Allrounder-Objektiv NIKKOR Z 24–70 mm F4. Ich habe unterschiedliche Belichtungszeiten von 5 Sekunden bis 20 Sekunden ausprobiert und die Blende entsprechend angepasst. ISO ist bei den meisten Aufnahmen bei 100. Bei Light Painting ist es wichtig, dass der Fokus der Kamera auf einem stabilen Teil des Bildes ist. In meinem Fall ist es die Architektur. Ich stelle also den Fokus ein, indem ich auf dem Bildschirm auf den gewünschten Punkt tippe und mit dem A-M Schalter auf dem Objektiv schalte ich dann den Autofokus aus. Ich wollte bei dieser Serie “abstrakt” arbeiten und habe mit dem Licht einfach zufällige Motive "gezeichnet". Da ich mich bewegt habe, sehe ich ein bisschen aus wie ein Gespenst. Die Architektur ist dafür stabil, stark und scharf. Dieser Kontrast verleiht den Bildern ein besonderes Flair. Ihr könnt mit dieser Methode auch erkennbare Motive zeichnen oder sogar Wörter schreiben. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Ich hoffe, die Serien haben euch gefallen, ihr fühlt euch inspiriert, schnappt euch eure Lichterketten und probiert euch einfach aus. Ich wünsche euch allen eine wunderschöne Zeit mit euren Liebsten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bis zum nächsten Mal!

Eure Helin

MEHR VON HELIN BEREKET

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