VOLLFORMAT-MASTERCLASS: INDIVIDUELLE KONFIGURATION

Montag, 12. April 2021

Wirklich gute Fotografen finden irgendwann ihren unverwechselbaren Stil. Und der betrifft nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg dorthin. Aber es gibt, gerade in der Fotografie, nicht den einen richtigen Weg zum perfekten Ziel. Sehr wohl gibt es aber eure Lieblingswege. Hier zeigen wir euch, wie ihr eure Nikon perfekt auf euren individuellen Arbeitsstil einstellt, sodass sie mit euch gemeinsamen die richtigen Abkürzungen nimmt.

Wie man’s macht, macht man’s richtig

Wahrscheinlich habt ihr für euch selbst eine Reihe von Lieblings-Einstellungen gefunden, die ihr überwiegend anwendet, also eine bestimmte Methode der Belichtungsmessung und einen Modus für die Belichtungssteuerung, eine AF-Messfeldsteuerung und AF-Modus usw. Hoffentlich weicht ihr aber aus dieser Komfortzone aus, wenn eure Motive das erfordern (sonst hätten wir uns einiges an Mühe bei der Entwicklung eurer Nikon sparen können). An diesem Punkt lohnt es sich ganz besonders, wenn ihr eure Nikon genauer kennenlernt, denn an vielen Stellen gibt es praktischere Möglichkeiten, eine Einstellung vorzunehmen, als auf dem jeweils offensichtlichsten Weg.

Drücken und Drehen

Für viele Funktionen findet ihr auf eurer Nikon eine eigene Taste, zum Beispiel für die ISO-Einstellungen, die Bildqualität oder die Belichtungssteuerung. All diese Tasten sind gekoppelt mit den Einstellrädern. In Sachen Bildqualität wechselt ihr beispielsweise mit dem hinteren Einstellrad (bei gedrückt gehaltener QUAL-Taste) durch die Optionen für Dateiformate und Qualitätsstufen und mit dem vorderen durch die Bildgrössen-Optionen. Das geht viel schneller als über das Menü. 

Eure Kamera hat keine »QUAL-Taste«? Macht nichts: Ihr könnt diese Funktion – und viele andere – sehr einfach einer anderen Taste, etwa einer der Funktionstasten (Fn), zuweisen.

Beispiel Nikon D780: Jede Menge Tasten und jede hat ihre Daseinsberechtigung.

Belegung der Bedienelemente

Wir empfehlen euch sehr, dass ihr euch einmal das Menü INDIVIDUALFUNKTIONEN > Bedienelemente und dort die jeweiligen Unterpunkte, z. B. »Belegung der Funktionstaste (Fn)« genauer anschaut. Dort werdet ihr sicher Funktionen finden, die ihr praktisch findet, egal, ob ihr sie zuvor vermisst habt oder nicht.

Schnelle Übersicht über die möglichen Funktionen für die Funktionstaste(n) eurer Nikon – hier am Beispiel der Z 6.

Ist euch das kleine Fragezeichen unten links aufgefallen? Es zeigt an, dass es für den markierten Menüpunkt einen Hilfetext gibt, der die markierte Option erklärt. Drückt die Fragezeichen-Taste eurer Nikon und euch wird im Klartext erklärt, was die Funktion macht – wenn nötig, über mehrere Bildschirme.

Ein Beispiel für eine sinnvolle Umbelegung: An der Position des rechten Daumens haben die Z 6 und Z 7 (mit und ohne »II«) eine AF-ON-Taste, die standardmässig den Autofokus aktiviert, auch wenn der Auslöser nicht angetippt wird. Wer nur mittels Auslöser fokussiert, braucht diese Funktion nicht und kann dieser Taste eine andere Funktion zuweisen, etwa das Speichern von Belichtung und/oder Fokus oder – besonders praktisch – das Vergrössern des Live-Bilds auf eine 50-, 100-, oder 200-Prozent-Ansicht.

Ein Gegenbeispiel: Die D750 hat an der gleichen Position (also am Daumen eurer rechten Hand) eine AE-L/AF-L-Taste. Das steht für »auto-exposure lock/autofocus lock«, also ist die Standardbelegung das Speichern von Fokus und Belichtung. Hier kann man umgekehrt diese Taste zur AF-ON-Taste umbelegen.

(Hinweis: Andere Kameras, wie die D780, haben beide Tasten, also AF-ON und AE-L/AF-L. Selbst wenn ihr beide Standardfunktionen nutzt, findet ihr es vielleicht ergonomischer, die Funktionsbelegungen zu tauschen.)

Diese Funktion findet ihr auch bei Kameras ohne Aufdruck »AF-ON« an einer Taste. Sie wirkt sich einfach auf die Taste aus, die ihr mit dieser Funktion belegt habt.

Praxisempfehlung 1: Der Daumenautofokus

Es ist vielleicht zunächst ungewohnt, dann aber enorm praktisch, wenn ihr den Autofokus vom Auslöser trennt und nur noch mit dem rechten Daumen ansteuert. Also entweder mit einer AF-ON-Taste oder einer AE-L-AF-L-Taste, die ihr mittels Individualfunktion zur AF-ON-Taste umprogrammiert habt. Zusätzlich müsst ihr dafür eurer Nikon noch beibringen, dass sie eben nicht mehr fokussieren soll, wenn ihr den Auslöser antippt oder durchdrückt. Das geht mittels Funktion »INDIVDUALFUNKTIONEN > a Autofokus > a8 AF-Aktivierung«. Wählt dort die Option »Nur AF-ON-Taste«.

Nun habt ihr eure Nikon so konfiguriert, dass der AF nur noch mit dem Daumen aktiviert wird und der Auslöser nur noch zum Auslösen dient. Die Kombination mit dem Fokusmodus AF-C (kontinuierlicher AF) sorgt dafür, dass die Kamera so lange ständig fokussiert, wie ihr die Taste gedrückt haltet. Umgekehrt heisst das, sie hört sofort auf zu fokussieren, sobald ihr die Taste loslasst. Dies ist eine sehr elegante und schnelle Methode, den Fokus zu speichern. Auch das Umschalten zum manuellen Fokus ist so möglich – einfach durch Nichtdrücken der AF-ON-Taste.

Praxisempfehlung 2: Die lichterbetonte Messung

Was die lichterbetonte Messung kann, haben wir euch im Artikel »Vollformat-Masterclass: Die Belichtungssteuerung« aufgezeigt. Hier zeigen wir euch, wie ihr für einzelne Aufnahmen sehr schnell und elegant von eurer Standardmessmethode zur lichterbetonten Messung wechseln könnt. Wählt in den INDIVIDUALFUNKTIONEN den Menüpunkt »Benutzerdef. Bedienelemente« (DSLRs) bzw. »Benutzerdef. Funktionszuweis.« (ML). Wählt die Taste, die ihr für diese Funktion nutzen möchtet (zum Beispiel eine Funktionstaste), und für diese Taste die Option »Lichterbetonte Belicht.messung« (s. o.). Angenommen, ihr nutzt ansonsten die Matrixmessung. Dann wird eure Nikon immer ausgewogen belichten und ihr habt diesbezüglich leichtes Spiel beim Entwickeln eurer Bilder. Bei einer sehr kontrastreichen Situation wollt ihr aber nun schnell zur lichterbetonten Belichtungsmessung wechseln, um mehr Spielraum in den Lichtern für die RAW-Entwicklung zu gewinnen. Einfach beim Auslösen die Funktionstaste gedrückt halten und die Kamera wechselt für diese Aufnahme in den dafür optimalen Modus. Dies sind nur zwei Beispiele – vielleicht findet ihr für eure Zwecke noch ganz andere Kniffe im Menü eurer Nikon.

User Settings

Fast alle Vollformat-Nikons bieten über das Funktionswählrad Zugriff auf zwei oder drei benutzerdefinierte Konfigurationen, die »User Settings«. Mit ihnen könnt ihr auf ganze Pakete von Kamera-Einstellungen zugreifen, die ihr zuvor abgespeichert habt. So könnt ihr euch für bestimmte Genres oder Zwecke eigene Motivprogramme konfigurieren und schnell zwischen diesen wechseln, zum Beispiel wenn ihr auf einer Hochzeit erst Porträts aufnehmt, dann bei der Trauung die stille Auslösung nutzt und später im Reportagestil arbeitet.

Stellt hierfür einfach alles an eurer Kamera – Bildqualität, Autofokus, Belichtung, Picture Control, ... – so ein, wie ihr es für diesen Zweck braucht. Geht dann ins System-Menü unter »User Settings speichern« und wählt einen der Speicherplätze, den eure Kamera bereithält. Später stellt ihr einfach das Funktionswählrad entsprechend auf U1, U2 oder U3 und ihr habt direkt Zugriff auf das ganze Paket gespeicherter Einstellungen.

Das war noch nicht alles

Das war nur ein Einstieg in die Möglichkeiten zur Individualisierung eurer Nikon. Bei den Z-Modellen könnt ihr auch noch auswählen, welche Funktionen euch im i-Menü angezeigt werden sollen. Auch den Einstellring eurer Z-NIKKORe könnt ihr mit verschiedenen Funktionen belegen. Ihr könnt eure Kamera-Einstellungen auf eine Speicherkarte speichern und auf andere Bodys übertragen, und und und. Je besser ihr eure Nikon kennenlernt, desto mehr wird sie zu EURER Nikon.

Noch ein Tipp für die Freunde des Daumen-Autofokus: User Settings eignen sich auch für ein schnelles Umschalten in einen »idiotensicheren« Modus in Vollautomatik. Zum Beispiel für den Zweck, dass ihr euch einmal von anderen fotografieren lassen wollt.

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